Wildpflanzen-Lexikon

Pflanzen / Urticaceae

Grosse Brennnessel

Urtica dioica

Auch: Brennessle, Nessle

Häufige Stickstoffzeigerin mit Brennhaaren. Eine der vielseitigsten Wildpflanzen: junge Triebe als Gemüse, Kraut als Tee, Samen als Nahrungsergänzung, Wurzel als Arzneidroge.

Entwurf: Dieser Eintrag ist noch nicht gegen die Quellen geprüft.

Grosse Brennnessel (Urtica dioica)
Foto: Uwe H. Friese, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Erntezeit

Ring 1: Junge Triebe
März, April, Mai
Ring 2: Kraut
Mai, Juni, Juli, August, September
Ring 3: Samen
August, September, Oktober
Ring 4: Wurzel
März, April, Oktober, November

Ringe von aussen nach innen in der Reihenfolge der Liste. In tieferen Lagen früher, in den Bergen später.

Als Heilpflanze

KrautErnte Mai–Sep

Für Tee vor oder zu Beginn der Blüte ernten und trocknen.

  • Leichte Harnwegsbeschwerden
    Traditionell anerkannt

    Durchspülung der ableitenden Harnwege.

    • Tee (Aufguss): 1,5 g getrocknetes Kraut (etwa 1 gehäufter TL) mit 150 ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen.Dosierung: 3–4 Tassen täglich, dazu reichlich trinken. Wenn nach 2 Wochen keine Besserung, oder bei Fieber, Schmerzen beim Wasserlösen, Krämpfen oder Blut im Urin ärztlich abklären.
  • Leichte Gelenkschmerzen
    Traditionell anerkannt

    Unterstützend bei leichten Gelenkbeschwerden.

    • Tee (Aufguss): 3–6 g getrocknetes Kraut mit 200 ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen.Dosierung: 3 Tassen täglich. Geschwollene, gerötete oder heisse Gelenke und Fieber ärztlich abklären; nach 4 Wochen ohne Besserung ebenfalls.

WurzelErnte Mär–Apr, Okt–Nov

Ausgraben im Frühling oder Herbst, waschen, klein schneiden, trocknen.

  • Prostatabeschwerden
    Traditionell anerkannt

    Linderung von Miktionsbeschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung.

    • Tee (Aufguss): 2 g geschnittene Wurzel mit 150 ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen.Dosierung: 2–3 Tassen täglich, nur für erwachsene Männer und erst nachdem ein Arzt ernsthafte Ursachen ausgeschlossen hat. Bei Fieber, Krämpfen, Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlösen oder Harnverhalt sofort ärztlich abklären.

In der Küche

Junge TriebeErnte Mär–Mai

  • Gekocht: Wie Spinat dünsten oder in Suppe; Hitze neutralisiert die Brennhaare.
  • Roh: Blätter mit dem Nudelholz walzen, dann brennen sie nicht mehr; in Smoothies oder Salat.

Obere 4–6 Blattpaare junger Triebe; mit Handschuhen ernten.

SamenErnte Aug–Okt

  • Getrocknet: Weibliche Samenstände trocknen, Samen abrebeln; über Müesli oder Salat streuen.

Nur die hängenden weiblichen Samenstände verwenden.

Sicherheit

Nicht anwenden bei

  • Überempfindlichkeit gegen Brennnessel.
  • Keine Durchspülungstherapie, wenn wenig getrunken werden soll, z.B. bei Ödemen infolge eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion.

Wechselwirkungen

  • Laut HMPC keine bekannt; wegen der harntreibenden Wirkung bei Entwässerungs- oder Blutdruckmitteln trotzdem ärztlich abklären.

Nebenwirkungen

  • Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) und allergische Hautreaktionen (Juckreiz, Ausschlag, Nesselsucht) möglich.
  • Wurzeltee zusätzlich Sodbrennen, Völlegefühl und Blähungen.

Schwangerschaft und Stillzeit

  • Medizinische Anwendung nicht empfohlen, auch nicht in der Stillzeit (fehlende Daten); als Gemüse unbedenklich.

Kinder

  • Tee medizinisch unter 18 Jahren nicht empfohlen; als Gemüse unbedenklich.

Erkennen und finden

Brennhaare
Stängel und Blätter mit Brennhaaren, die bei Berührung brennen.
Blatt
Gegenständig, herzförmig-länglich, grob gesägt.
Wuchs
Aufrecht, 30–150 cm, vierkantiger Stängel, oft in dichten Beständen.
Vorkommen
Wild
Standorte
Waldränder, Ufer, Ruderalflächen, Gärten, Viehläger
Höhenlage
Tieflagen, Bergstufe, Subalpin
Blüte
Jun–Sep
Schutz und Sammeln
Nicht geschützt. Nicht an Strassenrändern oder gedüngten Feldrändern sammeln (Nitrat, Schadstoffe).

Quellen