Pflanzen / Asteraceae
Huflattich
Tussilago farfara
Auch: Brustlattich, Ackerlattich
Giftig – Anwendung nur äusserlich oder als Fertigpräparat
Früh blühender Korbblütler auf Brachen, Böschungen und Kiesflächen. Die Blätter galten lange als Hustenmittel. Weil Blätter und Blüten leberschädigende, erbgutverändernde Pyrrolizidinalkaloide enthalten, ist Huflattich nicht zum Selbstsammeln geeignet; in der Schweiz ist er als Arzneimittel praktisch vom Markt verschwunden. Die gelben Blüten erscheinen vor den Blättern und werden leicht mit Löwenzahn verwechselt.
Entwurf: Dieser Eintrag ist noch nicht gegen die Quellen geprüft.

Verwechslung
Huflattich oder Gewöhnlicher Löwenzahn?
Vergiftungsgefahr.
| Merkmal | Huflattich | Gewöhnlicher Löwenzahn |
|---|---|---|
| Stängel | unverzweigt, markig, wollig und mit rötlichen Schuppenblättchen besetzt | hohl, kahl, ohne Schuppenblättchen |
| Milchsaft | kein Milchsaft | weisser Milchsaft beim Abbrechen |
| Blatt | erscheint erst nach der Blüte, rundlich-hufförmig, unterseits weissfilzig | Rosette aus schrotsägeförmigen, kahlen Blättern, schon zur Blüte vorhanden |
| Blütenkopf | etwa 1,5–3,5 cm mit sehr schmalen Zungenblüten | etwa 3–5 cm mit vielen breiteren Zungenblüten |
| Blütezeit | Februar bis April, lange vor dem Löwenzahn | April bis Juni, kann sich zeitlich überschneiden |
Prüfe jedes Merkmal, nicht nur eines, und sammle jedes Blatt einzeln. Im Zweifel stehen lassen.
Erntezeit
- Ring 1: Blätter
- Mai, Juni
In tieferen Lagen früher, in den Bergen später.
Als Heilpflanze
BlätterErnte Mai–Jun
Nicht selbst sammeln und nicht als Tee, Hustensirup oder Gemüse verwenden (Pyrrolizidinalkaloide). Wildsammlungen sind auch für Arzneimittel nicht zulässig.
- HustenTraditionell anerkannt
Reizlindernd bei trockenem Husten, schleimhautschützend.
- Fertigpräparat: Nur zugelassene Fertigpräparate aus der Apotheke, die aus der praktisch alkaloidfreien Zuchtsorte 'Wien' hergestellt und auf Pyrrolizidinalkaloide kontrolliert sind; nach Packungsbeilage anwenden. Die Kommission E nannte neben Husten und Heiserkeit auch leichte Entzündungen im Mund- und Rachenraum.Dosierung: Nach Packungsbeilage, höchstens 4–6 Wochen im Jahr (Kommission E). Die HMPC empfiehlt seit 2021 höchstens 1 µg Pyrrolizidinalkaloide pro Tag für Erwachsene.
Vergiftung
Vergiftungszeichen
- Bei wiederholter Aufnahme grösserer Mengen Müdigkeit, Übelkeit, Bauchschmerzen und Zeichen einer Leberschädigung (gelbe Haut oder Augen).
Nicht anwenden bei
- Nicht als selbst gesammelter Tee, Gemüse oder Salat verwenden; der Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden schwankt und lässt sich nicht kontrollieren.
- Auch die Blüten, früher als Hustentee gesammelt, enthalten Pyrrolizidinalkaloide und sind ebenso zu meiden.
- Nicht bei Lebererkrankungen (Vorsichtsregel).
- Nicht zusammen mit anderen pyrrolizidinalkaloidhaltigen Pflanzen wie Beinwell oder Pestwurz einnehmen (Vorsichtsregel).
Nebenwirkungen
- Pyrrolizidinalkaloide können bei regelmässiger oder höher dosierter Aufnahme die Leber schädigen und gelten als krebserregend.
Schwangerschaft und Stillzeit
- Nicht anwenden, auch nicht in der Stillzeit (Kommission E, als Vorsichtsmassnahme).
Kinder
- Nicht anwenden (Vorsichtsregel; Kinder reagieren empfindlicher auf Pyrrolizidinalkaloide).
Bei Verdacht auf Vergiftung sofort den Giftnotruf anrufen:
- Schweiz: Tox Info Suisse, 145
- Österreich: Vergiftungsinformationszentrale, +43 1 406 43 43
- Deutschland: Giftnotruf des Bundeslandes, z. B. Berlin 030 19240, München 089 19240 (alle Giftinformationszentren beim BfR)
- Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot oder Krampfanfall: Notruf 112 (in der Schweiz auch 144)
Erkennen und finden

- Wuchs
- Ausdauernd, mit unterirdischen Ausläufern; die Blüten stehen im Vorfrühling an 5–15 cm hohen Stängeln, die Blätter erscheinen erst danach.
- Stängel
- Unverzweigt, markig, wollig-flaumig und mit rötlichen, schuppenförmigen Blättchen besetzt; trägt nur einen einzigen Blütenkopf.
- Blatt
- Grundständig, rundlich bis herzförmig-hufförmig, am Rand eckig gezähnt, unterseits weissfilzig. Erscheinen nach der Blüte.
- Blüte
- Goldgelber Blütenkopf von etwa 1,5–3,5 cm Durchmesser mit zahlreichen sehr schmalen Zungenblüten in mehreren Reihen.
- Vorkommen
- Wild
- Standorte
- Brachen, Böschungen, Kiesgruben, Bahndämme, lehmige Rohböden, Bachufer
- Höhenlage
- Tieflagen, Bergstufe, Subalpin
- Blüte
- Feb–Apr
- Schutz und Sammeln
- Nicht geschützt.
Quellen
- Monographien der Kommission E (BfArM), 1978–1994
- EMA/HMPC Public statement on the use of herbal medicinal products containing toxic, unsaturated pyrrolizidine alkaloids (EMA/HMPC/893108/2011 Rev. 1, 2021)
- BfR – Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln
- PharmaWiki – Huflattich
- CliniTox (Universität Zürich) – Pflanzengifte, Tussilago farfara
- Info Flora – Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora