Wildpflanzen-Lexikon

Pflanzen / Ericaceae

Heidelbeere

Vaccinium myrtillus

Auch: Blaubeere, Bickbeere

Niedriger Zwergstrauch der Nadelwälder, Heiden und Moore auf sauren Böden. Die blauschwarzen Beeren sind beliebtes Wildobst. Getrocknete Früchte werden traditionell bei leichtem Durchfall und zum Spülen bei leichten Entzündungen der Mundschleimhaut verwendet.

Entwurf: Dieser Eintrag ist noch nicht gegen die Quellen geprüft.

Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)
Foto: Robert Flogaus-Faust, CC BY 4.0, Wikimedia Commons

Verwechslungen

Heidelbeere oder Tollkirsche?

Lebensgefahr: Tollkirsche ist sehr giftig.

MerkmalHeidelbeereTollkirsche
WuchsZwergstrauch, 15–50 cm hoch, holzigkrautige, buschige Staude, 50–200 cm hoch
Frucht5–8 mm, blauschwarz und bereift, mit einem kleinen Krönchen am Scheitelkirschgross (1–2 cm), glänzend schwarz, sitzt in einem grossen, sternförmigen Kelch
Blattklein (1–3 cm), eiförmig bis elliptisch, fein gesägtgross (bis 20 cm), eiförmig, ganzrandig, weich
StandortNadelwälder, Heiden und Moore auf saurem Boden, oft flächige BeständeWaldlichtungen, Kahlschläge, Waldränder, meist auf kalkreichem Boden
Triebekantig, grün, kahlrund, krautig, gabelig verzweigt

Prüfe jedes Merkmal, nicht nur eines, und sammle jedes Blatt einzeln. Im Zweifel stehen lassen.

Heidelbeere oder Rauschbeere?

MerkmalHeidelbeereRauschbeere
Blattfein gesägt, hellgrün, mit weniger deutlichem Adernetzganzrandig, blaugrün, unterseits mit netzartig hervortretenden Adern
Triebekantig, grün, kahlrund, braun, holzig
Fruchtfleischdunkelrot, färbt Finger und Zunge blauhell, färbt Finger und Zunge kaum
Wuchs15–50 cm, aufrecht20–100 cm, reich verzweigt
StandortNadelwälder, Heiden und Moore auf saurem Boden, oft flächige BeständeHochmoore, Zwergstrauchheiden und moorige Wälder

Erntezeit

Ring 1: Früchte
Juli, August, September

In tieferen Lagen früher, in den Bergen später.

Als Heilpflanze

FrüchteErnte Jul–Sep

Heidelbeeren wachsen auf niedrigen Zwergsträuchern; Beeren an hohen Büschen oder Kräutern sind keine Heidelbeeren. Beeren vor dem Verzehr waschen.

  • Leichter Durchfall
    Traditionell anerkannt

    Stopfend, bei leichtem Durchfall.

    • Tee (Abkochung): Getrocknete, zerkleinerte Beeren in kaltem Wasser aufsetzen, kurz aufkochen, etwa 10 Minuten ziehen lassen und abseihen; die Beeren dürfen mitgegessen werden.Dosierung: Tagesdosis 15–60 g getrocknete Beeren, aufgeteilt in Einzeldosen zu 5–15 g in 250 ml Wasser, 3- bis 4-mal täglich; wenn die Beschwerden länger als 3 Tage anhalten, ärztlich abklären.
  • Schleimhautschützend bei leichten Entzündungen der Mundschleimhaut.

    • Gurgeln (äusserlich): Getrocknete, zerkleinerte Beeren mit Wasser aufkochen, abkühlen lassen und abseihen; mehrmals täglich den Mund damit spülen.Dosierung: 20 g getrocknete Beeren auf 200 ml Wasser; wenn die Beschwerden länger als 1 Woche anhalten, ärztlich abklären.
  • Bei Schweregefühl der Beine und Fragilität der Hautkapillaren.

    • Fertigpräparat: Fertigpräparat aus der Apotheke mit Extrakt aus frischen Heidelbeeren nach Packungsbeilage einnehmen.Dosierung: Nach Packungsbeilage; höchstens 4 Wochen, bei anhaltenden Beschwerden nach 2 Wochen ärztlich abklären.

In der Küche

FrüchteErnte Jul–Sep

  • Roh: Frische Beeren direkt essen, in Müesli, Quark oder Kuchen geben.
  • Mus: Beeren mit etwas Zucker kurz aufkochen und als Kompott oder Konfitüre einkochen.
  • Getrocknet: Beeren bei niedriger Temperatur (etwa 50 °C) im Dörrgerät oder im Ofen trocknen, bis sie nicht mehr kleben; trocken und dunkel lagern.

Sicherheit

Nicht anwenden bei

  • Überempfindlichkeit gegen Heidelbeeren.
  • Fertigpräparate mit frischem Fruchtextrakt bei Hautentzündung, Venenentzündung, verhärtetem Unterhautgewebe, starken Schmerzen, Geschwüren, plötzlicher Schwellung eines oder beider Beine sowie Herz- oder Nierenschwäche nur nach ärztlicher Abklärung.

Schwangerschaft und Stillzeit

  • Getrocknete Beeren können in der Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden (HMPC); Fertigpräparate mit Extrakt aus frischen Beeren nicht empfohlen (fehlende Daten).

Kinder

  • Getrocknete Beeren (Tee, Spülung) unter 12 Jahren nicht empfohlen; Fertigpräparate mit Extrakt aus frischen Beeren unter 18 Jahren nicht empfohlen.

Erkennen und finden

Wuchs
Sommergrüner Zwergstrauch, 15–50 cm hoch, mit unterirdischen Ausläufern und oft grossen, flächigen Beständen.
Zweige
Kantig, grün und kahl.
Blatt
Eiförmig bis elliptisch, 1–3 cm lang, fein gesägt, hellgrün, im Herbst rot verfärbt.
Blüte
Kugelig-krugförmige, hängende Blüten, grünlich bis rosa überlaufen, einzeln in den Blattachseln.
Frucht
Blauschwarze, bereifte Beere, etwa 5–8 mm gross, mit rotviolettem Saft, der Zunge, Finger und Textilien färbt.
Vorkommen
Wild
Standorte
Nadelwälder, Heiden, Moore, Waldränder, Zwergstrauchheiden
Höhenlage
Bergstufe, Subalpin, Alpin
Blüte
Mai–Jun
Schutz und Sammeln
Nicht geschützt.

Quellen