Pflanzen / Amaryllidaceae
Bärlauch
Allium ursinum
Auch: Wilder Knoblauch, Ramsele, Hexezibele
Frühblüher feuchter Laubwälder mit intensivem Knoblauchduft. Bildet oft grosse Teppiche. Wegen tödlicher Verwechslungen mit Maiglöckchen und Herbstzeitlose nur sammeln, wer jedes Blatt einzeln sicher bestimmt.
Entwurf: Dieser Eintrag ist noch nicht gegen die Quellen geprüft.

Verwechslungen
Bärlauch oder Maiglöckchen?
Lebensgefahr: Maiglöckchen ist sehr giftig.
| Merkmal | Bärlauch | Maiglöckchen |
|---|---|---|
| Geruch | deutlich nach Knoblauch | geruchlos |
| Blattansatz | jedes Blatt an eigenem dünnem Stiel aus dem Boden | meist zwei Blätter, die einen gemeinsamen Stängel umfassen |
| Blattunterseite | matt | glänzend |
| Blüte | weisse Sternblüten in Dolde (April–Juni) | weisse hängende Glöckchen an einer Traube (Mai–Juni) |
Prüfe jedes Merkmal, nicht nur eines, und sammle jedes Blatt einzeln. Im Zweifel stehen lassen.
Bärlauch oder Herbstzeitlose?
Lebensgefahr: Herbstzeitlose ist sehr giftig.
| Merkmal | Bärlauch | Herbstzeitlose |
|---|---|---|
| Geruch | deutlich nach Knoblauch | geruchlos |
| Blattansatz | Blätter mit Stiel, einzeln | stiellos, mehrere Blätter tütenförmig ineinander aus dem Boden |
| Blattkonsistenz | weich, dünn | derb, fleischig, glänzend |
| Standort | schattiger Wald | feuchte Wiesen, Waldränder (Übergänge möglich!) |
Prüfe jedes Merkmal, nicht nur eines, und sammle jedes Blatt einzeln. Im Zweifel stehen lassen.
Bärlauch oder Gemeiner Aronstab?
Vergiftungsgefahr: Gemeiner Aronstab ist giftig.
| Merkmal | Bärlauch | Gemeiner Aronstab |
|---|---|---|
| Blattform | elliptisch bis lanzettlich, ohne Lappen | spiess- bis pfeilförmig, am Grund mit zwei Lappen (junge Blätter noch eingerollt) |
| Blattadern | parallel, längs verlaufend | netzartig verzweigt |
| Flecken | nie gefleckt | oft dunkel gefleckt |
| Glanz | Unterseite matt | Oberseite glänzend |
| Geruch | deutlich nach Knoblauch | unauffällig |
Prüfe jedes Merkmal, nicht nur eines, und sammle jedes Blatt einzeln. Im Zweifel stehen lassen.
Bärlauch oder Weisser Germer?
Vergiftungsgefahr: Weisser Germer ist sehr giftig.
| Merkmal | Bärlauch | Weisser Germer |
|---|---|---|
| Geruch | deutlich nach Knoblauch | geruchlos |
| Wuchs | jedes Blatt an eigenem dünnem Stiel direkt aus dem Boden | beblätterter Stängel, Blätter wechselständig und spiralig daran |
| Blatt | weich, dünn, flach, kahl | breit-elliptisch, derb, deutlich längs gefaltet, Unterseite fein behaart |
| Standort | schattige, feuchte Laubwälder, vor allem in tieferen Lagen | Bergweiden und Hochstaudenfluren, montan bis alpin |
Prüfe jedes Merkmal, nicht nur eines, und sammle jedes Blatt einzeln. Im Zweifel stehen lassen.
Erntezeit
- Ring 1: Blätter
- März, April, Mai
- Ring 2: Knospen
- April
- Ring 3: Blüten
- April, Mai
Ringe von aussen nach innen in der Reihenfolge der Liste. In tieferen Lagen früher, in den Bergen später.
Als Heilpflanze
BlätterErnte Mär–Mai
Vor der Blüte am aromatischsten; nach der Blüte faserig, weniger würzig und schlechter verträglich. Blätter einzeln schneiden, nie büschelweise rupfen.
- VerdauungsbeschwerdenVolksheilkunde
Appetitanregend, verdauungsfördernd (Schwefelverbindungen).
- Roh: Frische Blätter regelmässig als Teil der Mahlzeit.
- BluthochdruckNur Laborstudien
Blutdrucksenkend in Tierversuchen; beim Menschen nicht belegt.
- Roh: Als Nahrungsmittel; kein Ersatz für eine Blutdruckbehandlung.
In der Küche
BlätterErnte Mär–Mai
- Roh: Fein geschnitten in Salat, Quark oder auf Brot.
- Pesto: Mit Öl, Nüssen und Hartkäse pürieren; mit Öl bedeckt kühl lagern.
- Gekocht: Erst am Schluss zu Suppen oder Risotto geben, Hitze zerstört das Aroma.
Trocknen lohnt sich nicht, das Aroma geht fast vollständig verloren; besser einfrieren oder als Pesto.
KnospenErnte Apr
- Eingelegt: Geschlossene Knospen in Salzlake oder Essig einlegen ("Bärlauchkapern").
BlütenErnte Apr–Mai
- Roh: Als würzige Dekoration über Salat oder Suppe.
Sicherheit
Nicht anwenden bei
- Bei Magen-Darm-Geschwüren nur in kleinen Mengen.
Wechselwirkungen
- Allium-Arten können die Blutgerinnung beeinflussen; bei Gerinnungshemmern grosse Mengen meiden (Datenlage für Bärlauch dünn).
Nebenwirkungen
- In grossen Mengen, bei Unverträglichkeit oder mit Blättern nach der Blüte (mehr Schwefelverbindungen) sind Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall möglich.
- Übelkeit, Erbrechen oder starker Durchfall einige Stunden nach einer Bärlauch-Mahlzeit können auch auf eine Verwechslung mit Herbstzeitlose oder Maiglöckchen hinweisen: sofort den Giftnotruf anrufen.
- Für Hunde und Katzen giftig (Schädigung der roten Blutkörperchen), auch gekocht oder getrocknet; nicht verfüttern.
Bei Verdacht auf Vergiftung sofort den Giftnotruf anrufen:
- Schweiz: Tox Info Suisse, 145
- Österreich: Vergiftungsinformationszentrale, +43 1 406 43 43
- Deutschland: Giftnotruf des Bundeslandes, z. B. Berlin 030 19240, München 089 19240 (alle Giftinformationszentren beim BfR)
- Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot oder Krampfanfall: Notruf 112 (in der Schweiz auch 144)
Erkennen und finden

- Geruch
- Zerriebene Blätter riechen deutlich nach Knoblauch. Die Geruchsprobe ist nach dem ersten Blatt unzuverlässig, weil der Geruch an den Fingern haftet; darum immer auch Blattstiel und Blattunterseite prüfen.
- Blatt
- Jedes Blatt einzeln an einem eigenen, dünnen Stiel direkt aus dem Boden; weich, lanzettlich, Unterseite matt.
- Blüte
- Weisse, sternförmige Einzelblüten in einer halbkugeligen Dolde.
- Vorkommen
- Wild
- Standorte
- feuchte Laubwälder, Auenwälder, schattige Bachufer
- Höhenlage
- 200–1800 m
- Blüte
- Apr–Jun
- Schutz und Sammeln
- Nicht geschützt. Nur für den Eigenbedarf und nie mehr als ein Blatt pro Pflanze. In einzelnen Kantonen und Naturschutzgebieten gelten Sammelbeschränkungen.
Quellen
- Info Flora – Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora
- Tox Info Suisse – Giftpflanzen (Notfallnummer 145)
- Tox Info Suisse – Aronstab (Arum maculatum)
- Tox Info Suisse – Kennen Sie die giftigen Doppelgänger des Bärlauchs?
- BfR – Bärlauch-Verwechslungen führen häufig zu Vergiftungen (Presseinformation)
- CliniTox (Universität Zürich) – Pflanzengifte, Allium sp.