Wildpflanzen-Lexikon

Pflanzen / Amaryllidaceae

Bärlauch

Allium ursinum

Auch: Wilder Knoblauch, Ramsele, Hexezibele

Frühblüher feuchter Laubwälder mit intensivem Knoblauchduft. Bildet oft grosse Teppiche. Wegen tödlicher Verwechslungen mit Maiglöckchen und Herbstzeitlose nur sammeln, wer jedes Blatt einzeln sicher bestimmt.

Entwurf: Dieser Eintrag ist noch nicht gegen die Quellen geprüft.

Bärlauch (Allium ursinum)
Foto: Robert Flogaus-Faust, CC BY 4.0, Wikimedia Commons

Verwechslungen

Bärlauch oder Maiglöckchen?

Lebensgefahr: Maiglöckchen ist sehr giftig.

Bärlauch und Maiglöckchen im Vergleich Bärlauch Allium ursinum 1 2 3 1 Jedes Blatt an eigenem dünnem Stiel aus dem Boden 2 Blattunterseite matt 3 Weisse Sternblüten in Dolde (April–Juni) Geruch: deutlich nach Knoblauch Maiglöckchen Convallaria majalis 1 2 3 1 Meist zwei Blätter, die einen gemeinsamen Stängel umfassen 2 Blattunterseite glänzend 3 Weisse hängende Glöckchen an einer Traube (Mai–Juni) Geruch: geruchlos
MerkmalBärlauchMaiglöckchen
Geruchdeutlich nach Knoblauchgeruchlos
Blattansatzjedes Blatt an eigenem dünnem Stiel aus dem Bodenmeist zwei Blätter, die einen gemeinsamen Stängel umfassen
Blattunterseitemattglänzend
Blüteweisse Sternblüten in Dolde (April–Juni)weisse hängende Glöckchen an einer Traube (Mai–Juni)

Prüfe jedes Merkmal, nicht nur eines, und sammle jedes Blatt einzeln. Im Zweifel stehen lassen.

Bärlauch oder Herbstzeitlose?

Lebensgefahr: Herbstzeitlose ist sehr giftig.

Bärlauch und Herbstzeitlose im Vergleich Bärlauch Allium ursinum 1 2 1 Blätter mit Stiel, einzeln 2 Blatt weich, dünn Standort: schattiger Wald Geruch: deutlich nach Knoblauch Herbstzeitlose Colchicum autumnale 1 2 1 Stiellos, mehrere Blätter tütenförmig ineinander aus dem Boden 2 Blatt derb, fleischig, glänzend Standort: feuchte Wiesen, Waldränder (Übergänge möglich!) Geruch: geruchlos
MerkmalBärlauchHerbstzeitlose
Geruchdeutlich nach Knoblauchgeruchlos
BlattansatzBlätter mit Stiel, einzelnstiellos, mehrere Blätter tütenförmig ineinander aus dem Boden
Blattkonsistenzweich, dünnderb, fleischig, glänzend
Standortschattiger Waldfeuchte Wiesen, Waldränder (Übergänge möglich!)

Prüfe jedes Merkmal, nicht nur eines, und sammle jedes Blatt einzeln. Im Zweifel stehen lassen.

Bärlauch oder Gemeiner Aronstab?

Vergiftungsgefahr: Gemeiner Aronstab ist giftig.

Bärlauch und Gemeiner Aronstab im Blattvergleich Bärlauch Allium ursinum 1 2 3 4 1 Blatt elliptisch bislanzettlich,ohne Lappen 2 Adern parallel,längs verlaufend 3 nie gefleckt 4 Unterseite matt Geruch: deutlich nachKnoblauch Gemeiner Aronstab Arum maculatum 1 2 3 4 1 Blatt spiess- bispfeilförmig, am Grundmit zwei Lappen 2 Adern netzartigverzweigt 3 oft dunkelgefleckt 4 Oberseite glänzend Geruch: unauffällig
MerkmalBärlauchGemeiner Aronstab
Blattformelliptisch bis lanzettlich, ohne Lappenspiess- bis pfeilförmig, am Grund mit zwei Lappen (junge Blätter noch eingerollt)
Blattadernparallel, längs verlaufendnetzartig verzweigt
Fleckennie geflecktoft dunkel gefleckt
GlanzUnterseite mattOberseite glänzend
Geruchdeutlich nach Knoblauchunauffällig

Prüfe jedes Merkmal, nicht nur eines, und sammle jedes Blatt einzeln. Im Zweifel stehen lassen.

Bärlauch oder Weisser Germer?

Vergiftungsgefahr: Weisser Germer ist sehr giftig.

MerkmalBärlauchWeisser Germer
Geruchdeutlich nach Knoblauchgeruchlos
Wuchsjedes Blatt an eigenem dünnem Stiel direkt aus dem Bodenbeblätterter Stängel, Blätter wechselständig und spiralig daran
Blattweich, dünn, flach, kahlbreit-elliptisch, derb, deutlich längs gefaltet, Unterseite fein behaart
Standortschattige, feuchte Laubwälder, vor allem in tieferen LagenBergweiden und Hochstaudenfluren, montan bis alpin

Prüfe jedes Merkmal, nicht nur eines, und sammle jedes Blatt einzeln. Im Zweifel stehen lassen.

Erntezeit

Ring 1: Blätter
März, April, Mai
Ring 2: Knospen
April
Ring 3: Blüten
April, Mai

Ringe von aussen nach innen in der Reihenfolge der Liste. In tieferen Lagen früher, in den Bergen später.

Als Heilpflanze

BlätterErnte Mär–Mai

Vor der Blüte am aromatischsten; nach der Blüte faserig, weniger würzig und schlechter verträglich. Blätter einzeln schneiden, nie büschelweise rupfen.

  • Verdauungsbeschwerden
    Volksheilkunde

    Appetitanregend, verdauungsfördernd (Schwefelverbindungen).

    • Roh: Frische Blätter regelmässig als Teil der Mahlzeit.
  • Bluthochdruck
    Nur Laborstudien

    Blutdrucksenkend in Tierversuchen; beim Menschen nicht belegt.

    • Roh: Als Nahrungsmittel; kein Ersatz für eine Blutdruckbehandlung.

In der Küche

BlätterErnte Mär–Mai

  • Roh: Fein geschnitten in Salat, Quark oder auf Brot.
  • Pesto: Mit Öl, Nüssen und Hartkäse pürieren; mit Öl bedeckt kühl lagern.
  • Gekocht: Erst am Schluss zu Suppen oder Risotto geben, Hitze zerstört das Aroma.

Trocknen lohnt sich nicht, das Aroma geht fast vollständig verloren; besser einfrieren oder als Pesto.

KnospenErnte Apr

  • Eingelegt: Geschlossene Knospen in Salzlake oder Essig einlegen ("Bärlauchkapern").

BlütenErnte Apr–Mai

  • Roh: Als würzige Dekoration über Salat oder Suppe.

Sicherheit

Nicht anwenden bei

  • Bei Magen-Darm-Geschwüren nur in kleinen Mengen.

Wechselwirkungen

  • Allium-Arten können die Blutgerinnung beeinflussen; bei Gerinnungshemmern grosse Mengen meiden (Datenlage für Bärlauch dünn).

Nebenwirkungen

  • In grossen Mengen, bei Unverträglichkeit oder mit Blättern nach der Blüte (mehr Schwefelverbindungen) sind Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall möglich.
  • Übelkeit, Erbrechen oder starker Durchfall einige Stunden nach einer Bärlauch-Mahlzeit können auch auf eine Verwechslung mit Herbstzeitlose oder Maiglöckchen hinweisen: sofort den Giftnotruf anrufen.
  • Für Hunde und Katzen giftig (Schädigung der roten Blutkörperchen), auch gekocht oder getrocknet; nicht verfüttern.

Bei Verdacht auf Vergiftung sofort den Giftnotruf anrufen:

Erkennen und finden

Botanische Tafel von Allium ursinum
Illustration: Urheber laut Commons, Public domain, Wikimedia Commons
Geruch
Zerriebene Blätter riechen deutlich nach Knoblauch. Die Geruchsprobe ist nach dem ersten Blatt unzuverlässig, weil der Geruch an den Fingern haftet; darum immer auch Blattstiel und Blattunterseite prüfen.
Blatt
Jedes Blatt einzeln an einem eigenen, dünnen Stiel direkt aus dem Boden; weich, lanzettlich, Unterseite matt.
Blüte
Weisse, sternförmige Einzelblüten in einer halbkugeligen Dolde.
Vorkommen
Wild
Standorte
feuchte Laubwälder, Auenwälder, schattige Bachufer
Höhenlage
200–1800 m
Blüte
Apr–Jun
Schutz und Sammeln
Nicht geschützt. Nur für den Eigenbedarf und nie mehr als ein Blatt pro Pflanze. In einzelnen Kantonen und Naturschutzgebieten gelten Sammelbeschränkungen.

Quellen