Wildpflanzen-Lexikon

Pflanzen / Hypericaceae

Echtes Johanniskraut

Hypericum perforatum

Auch: Tüpfel-Johanniskraut, Elfenblut, Blutkraut, Johanneschrut, Hexenkraut

Bei leichten bis mittelschweren Depressionen klinisch gut belegt, aber nur als standardisierter Extrakt. Hat sehr viele, teils gefährliche Wechselwirkungen mit Medikamenten.

Entwurf: Dieser Eintrag ist noch nicht gegen die Quellen geprüft.

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Foto: Didier Descouens, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Erntezeit

Ring 1: Kraut
Juni, Juli, August

In tieferen Lagen früher, in den Bergen später.

Als Heilpflanze

KrautErnte Jun–Aug

Obere blühende Triebspitzen ernten, um den Johannistag (24. Juni) traditionell.

  • Stimmungsaufhellend.

    • Fertigpräparat: Nur als standardisierter Trockenextrakt aus der Apotheke, nach ärztlicher Abklärung. Die Wirkung setzt innerhalb von etwa 4 Wochen ein; wenn die Beschwerden bleiben, erneut ärztlich abklären. Nicht unter 18 Jahren.
  • Nervöse Unruhe und Stress
    Traditionell anerkannt

    Beruhigend bei nervöser Unruhe und Einschlafproblemen, ausgleichend bei vorübergehender psychischer Erschöpfung.

    • Tee (Aufguss): 2–3 g Kraut (2–3 TL) mit 150 ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen. Bei vorübergehender psychischer Erschöpfung genügen 1,5–2 g pro Tasse.Dosierung: Bei Unruhe und Einschlafproblemen 2 Tassen täglich, bei Erschöpfung 2–3 Tassen. Nicht unter 18 Jahren; wenn nach 2 Wochen keine Besserung, ärztlich abklären.
  • Verdauungsbeschwerden
    Traditionell anerkannt

    Lindernd bei leichten Magen-Darm-Beschwerden.

    • Tee (Aufguss): 2 g Kraut (2 TL) mit 150 ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen.Dosierung: 2 Tassen täglich. Nicht unter 18 Jahren; wenn nach 1 Woche keine Besserung, ärztlich abklären.
  • Kleine Wunden
    Traditionell anerkannt

    Entzündungshemmend.

    • Ölauszug (äusserlich): Rotöl – frische Blüten mehrere Wochen in Olivenöl an der Sonne ausziehen. Unverdünnt auf kleine Wunden oder leichte Hautentzündungen (z.B. Sonnenbrand) auftragen; behandelte Haut danach nicht der Sonne aussetzen.Dosierung: Wenn nach 1 Woche keine Besserung oder Zeichen einer Infektion, ärztlich abklären.
    • Umschlag (äusserlich): 2 g Kraut mit 150 ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen, abkühlen. Zum Waschen oder als getränkte Kompresse auflegen; behandelte Haut danach nicht der Sonne aussetzen.Dosierung: Mehrmals täglich, ab 12 Jahren. Wenn nach 1 Woche keine Besserung oder Zeichen einer Infektion, ärztlich abklären.

Sicherheit

Nicht anwenden bei

  • Überempfindlichkeit gegen Johanniskraut.
  • Gleichzeitige Einnahme der unter Wechselwirkungen zuerst genannten Medikamente (Immunsuppressiva, HIV-Mittel, bestimmte Krebsmittel, Cumarin-Blutverdünner).

Wechselwirkungen

  • Nie zusammen mit Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus, Sirolimus, HIV-Mitteln (Proteasehemmer wie Indinavir oder Fosamprenavir, nukleosidische Reverse-Transkriptase-Hemmer), Irinotecan, Imatinib und anderen Krebsmitteln oder Warfarin bzw. anderen Cumarin-Blutverdünnern: deren Wirkung kann gefährlich abnehmen.
  • Hormonelle Verhütung kann unzuverlässig werden (Zwischenblutungen); zusätzlich verhüten.
  • Senkt auch die Spiegel von Amitriptylin, Benzodiazepinen, Methadon, Simvastatin, Digoxin, Fexofenadin und Finasterid; nur nach ärztlicher Rücksprache kombinieren.
  • Nicht mit Antidepressiva vom SSRI-Typ (z.B. Sertralin, Paroxetin), Triptanen oder Buspiron kombinieren (Serotonin-Syndrom).
  • Vor Operationen der Ärztin oder dem Anästhesisten melden; die Enzymwirkung klingt erst etwa eine Woche nach dem Absetzen ab.
  • Auch beim Tee sind Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen. Die HMPC sieht sie erst ab etwa 1 mg Hyperforin pro Tag als belegt an, der Gehalt von Tee ist aber nicht angegeben. Wer Medikamente nimmt, fragt vorher in der Apotheke.

Nebenwirkungen

  • Lichtempfindlichkeit der Haut (Phototoxizität), besonders bei hellhäutigen Personen.
  • Magen-Darm-Beschwerden, allergische Hautreaktionen, Müdigkeit, Unruhe.
  • Bei hellhäutigen Personen in starker Sonne Missempfindungen der Haut (Kribbeln, Brennen) und verstärkte Sonnenbrand-Reaktionen.

Schwangerschaft und Stillzeit

  • Nicht empfohlen, auch nicht in der Stillzeit (Reproduktionstoxizität im Tierversuch).

Kinder

  • Innerlich unter 18 Jahren nicht empfohlen; Öl äusserlich ab 12 Jahren.

Erkennen und finden

Blatt
Gegen das Licht gehalten mit vielen durchscheinenden Punkten ("perforiert").
Stängel
Mit zwei Längsleisten (zweikantig), innen markig.
Blüte
Gelb, zerrieben färbt sie die Finger rot (Hypericin).
Vorkommen
Wild
Standorte
Magerwiesen, Waldränder, Böschungen, Wegränder
Höhenlage
Tieflagen, Bergstufe, Subalpin
Blüte
Jun–Aug

Quellen