Wildpflanzen-Lexikon

Pflanzen / Asteraceae

Echte Kamille

Matricaria chamomilla

Auch: Chamille, Gamille

Klassische Heilpflanze für Magen, Haut und Schleimhäute. Echt ist sie nur mit hohlem, kegelförmigem Blütenboden und typischem Kamillenduft.

Entwurf: Dieser Eintrag ist noch nicht gegen die Quellen geprüft.

Echte Kamille (Matricaria chamomilla)
Foto: Rob Hille, Public domain, Wikimedia Commons

Erntezeit

Ring 1: Blüten
Mai, Juni, Juli, August

In tieferen Lagen früher, in den Bergen später.

Als Heilpflanze

BlütenErnte Mai–Aug

Blütenköpfchen 3–5 Tage nach dem Aufblühen ernten, schattig trocknen. Wenn die Beschwerden länger als 1 Woche dauern oder schlimmer werden, ärztlich abklären.

  • Verdauungsbeschwerden
    Traditionell anerkannt

    Krampflösend, entzündungshemmend.

    • Tee (Aufguss): 1,5–4 g Blüten (etwa 1 EL) mit 150 ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.Dosierung: Erwachsene 3–4 Tassen täglich zwischen den Mahlzeiten. Kinder 2–4 Tassen mit weniger Blüten (6 Monate–2 Jahre 0,5–1 g, 2–6 Jahre 1–1,5 g, 6–12 Jahre 1,5–3 g).
  • Entzündungshemmend.

    • Gurgeln (äusserlich): 1–5 g Blüten mit 100 ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen, lauwarm zum Spülen oder Gurgeln.Dosierung: Mehrmals täglich; mit Tee erst ab 12 Jahren.
  • Leichte Hautentzündungen
    Traditionell anerkannt

    Entzündungshemmend, wundheilungsfördernd.

    • Umschlag (äusserlich): 3–10 g Blüten mit 100 ml kochendem Wasser übergiessen, abkühlen lassen, als Umschlag oder Waschung.Dosierung: Mehrmals täglich; mit Tee erst ab 12 Jahren.
  • Erkältung
    Traditionell anerkannt

    Lindert Reizungen der Atemwege.

    • Inhalation (äusserlich): 3–10 g Blüten mit 100 ml heissem Wasser übergiessen und den Dampf einatmen.Dosierung: Mehrmals täglich. Kinder 6–12 Jahre 2–5 g, 1–2-mal täglich; nicht unter 6 Jahren.
  • Schlafstörungen
    Volksheilkunde

    Mild beruhigend.

    • Tee (Aufguss): Eine Tasse am Abend.

Sicherheit

Nicht anwenden bei

  • Allergie gegen Kamille oder andere Korbblütler.
  • Voll- und Sitzbäder nicht bei offenen Wunden, grösseren Hautverletzungen, akuten Hauterkrankungen, hohem Fieber oder schweren Infektionen; Vollbäder zudem nicht bei Kreislaufstörungen oder Herzschwäche.

Wechselwirkungen

  • Nur beim Trinken: Nach Nierentransplantation wurden bei hoher Dosierung über längere Zeit (etwa zwei Monate) Wechselwirkungen über Leberenzyme (CYP450) berichtet. Wer Immunsuppressiva wie Ciclosporin oder Tacrolimus nimmt, klärt regelmässigen Kamillentee ärztlich ab. Bei Gurgeln, Inhalation, Umschlägen und Bädern keine bekannt.
  • Bei Blutverdünnern (Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon oder Warfarin) grössere Mengen Kamillentee ärztlich abklären; ein Fallbericht beschreibt eine verstärkte Gerinnungshemmung.

Nebenwirkungen

  • Allergische Reaktionen bis hin zu schweren Reaktionen (Atemnot, Schwellungen, Kreislaufkollaps) nach Kontakt mit Schleimhäuten; Häufigkeit unbekannt.

Schwangerschaft und Stillzeit

  • Für Kamillenblüten als Tee (zum Trinken wie äusserlich) gilt die Sicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit laut HMPC als belegt; Extrakte und Tinkturen nicht empfohlen (fehlende Daten). Kamillenhaltige Hautmittel vor dem Stillen von der Brust abwaschen.

Kinder

  • Tee ab 6 Monaten in kleinerer Menge, Inhalation ab 6 Jahren, Gurgeln und Umschläge mit Tee ab 12 Jahren. Nicht am Auge anwenden.

Erkennen und finden

Blütenboden
Kegelförmig gewölbt und innen hohl (Längsschnitt!); unterscheidet sie von ähnlichen, wirkungslosen Kamillenarten.
Geruch
Typischer, angenehm-würziger Kamillenduft.
Blüte
Weisse Zungenblüten, die sich später nach unten biegen, um gelbe Scheibe.
Vorkommen
Wild und kultiviert
Standorte
Äcker, Wegränder, Brachflächen, nährstoffreiche Böden
Höhenlage
Tieflagen, Bergstufe
Blüte
Mai–Sep

Quellen